Tuesday, 17. june 2008 2 17 /06 /Juni /2008 09:49

Ein Deutsch lernender Ausländer wird kein Problem haben, den Begriff „Gras" zu verstehen und sinngemäß zu verwenden. Das Verb „beißen" ist ebenso eindeutig. Vorsilben können jedoch die Sache schwieriger machen.

Anbeißen, zubeißen, sich durchbeißen werden im übertragenen Sinn verwendet und sind dann für den Deutsch Lernenden echte Stolpersteine.
Wenn aber gar beide Begriffe miteinander verbunden werden, entsteht häufig eine babylonische Sprachverwirrung

Wie soll der arme Ausländer auch wissen, dass im Deutschen "ins Gras beißen" eine drastische Metapher für "sterben" ist? So wie "Das Zeitliche segnen", "den Löffel abgeben", "in die ewigen Jagdgründe eingehen" und so weiter.  

Als ich vor einiger Zeit einen Welt-Laden betrat, um wie üblich meinen Kaffeevorrat zu ergänzen, „traf mich fast der Schlag". Ich stand unverhofft vor meiner reizenden, nie vergessenen Jugendliebe, die im Weltladen manchmal ehrenamtliche Arbeit verrichtet.

Wir sahen uns lächelnd in die Augen und dachten an längst vergangene, aufregende Zeiten. Ob mein mich begleitender Goldschatz bemerkt hat, was da in wenigen Augenblicken  ablief?

Ich sah keinen Anlass für eine Erklärung, auch als meine Schätzchen nach dem Verlassen des Weltladens bemerkte: „Die Verkäuferin war aber sehr freundlich!"

„Ja, sehr", murmelte ich etwas heiser und habe kein schlechtes Gewissen gehabt, denn „der Ofen ist schon lange aus"...

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Monday, 16. june 2008 1 16 /06 /Juni /2008 14:27

Trennung kann eine schmerzhafte Erfahrung sein. Auf die Zeit, die (angeblich) alle Wunden heilt, ist kein Verlass. Wenn jemand stirbt, begegnet man diesem Verlust mit bestimmten gesellschaftlichen Ritualen. Meist geht es schon kurz nach der Beerdigung im Wirtshaus wieder lustig zu.

Aber wenn der Stachel des Verlassenwerdens tief und schmerzhaft sitzt, fehlen diese Rituale. Die Verlassenen geraten nicht selten in einen depressiven Zustand und manchmal spielen sie sogar mit dem Gedanken an Selbstmord.

Gott sei Dank, bringen sich nicht alle Verlassenen um, sondern suchen und finden häufig einen Ausgleich. Die einen trauern, indem sie sich völlig zurückziehen um so der Welt mitzuteilen, dass sie durch den Verlust des geliebten Partners den Freuden des Lebens für immer entsagen werden. Andere wiederum stürzen sich hemmungslos in ein Liebesabenteuer nach dem anderen und meinen, auf diese Art Rache zu nehmen am anderen Geschlecht

Als mich vor Jahren meine damalige Freundin wegen eines anderen verlassen hatte, musste ich meiner Selbstsicherheit bitteren Tribut zollen. Es ging mir wirklich äußerst schlecht und obwohl ich nie viel Ballast auf den Rippen hatte, magerte ich in den Trauerwochen noch weiter ab.

Ich unternahm alles, um sie zurückzugewinnen. Eines Tages legte ich am Schalter des Amtes, in dem sie arbeitete, zum Vergnügen der übrigen Kunden einen teuren Strauß roter Rosen mit demütigem Kniefall ab. Schließlich erwies sich dieser Aufwand als Fehlinvestition, denn meine Versuche verliefen allesamt erfolglos.

Da ein junger Mensch aber meist über ein stabiles Immunsystem verfügt, war ich bald wieder auf dem Weg der Besserung und streckte meine Fühler nach hübschen und bereitwilligen Mädchen aus.

Der Zufall wollte es, dass sich vor kurzem unsere Wege kreuzten und ich in ihrem repräsentativen, zitronengelben Cabrio Platz nehme durfte. Kein Wort über unsere frühere Liebesbeziehung, wir blieben peinlich genau beim Sachthema, das uns zusammenführte.

Sie wollte mir sichtlich imponieren und setzte das schnittige Wägelchen etwas übertrieben sportlich in Schwung. Auf der rasanten Fahrt betrachtete ich sie verstohlen von der Seite. Mein Blick glitt über ein müdes, sorgenvolles Gesicht, über ihr einst süßes Stupsnäschen, jetzt faltig zerfurcht, erreichte kurz darauf das ausgeprägte Doppelkinn, um am gealterten, welken Hals zu verweilen.

Dann glitt mein Blick weiter abwärts und verharrte nach einer erstaunlich langen Wegstrecke auf der Ausbuchtung des Busens. Aus den ehemals grifffesten, anziehenden Äpfelchen waren massige Kürbisse geworden, die sichtlich mit der Schwerkraft zu kämpfen hatten.

Der modische Rock war an ihrer füllig gewordenen Hüfte gerafft, der Saum über die Knie gerutscht. Er spannte sich über ein ausgeprägtes Wohlstandsbäuchlein. Ihre Beine, die ich in reizvoller Erinnerung hatte, waren weder zart noch verführerisch und wiesen, durch die teuren, transparenten Wolford-Strümpfe deutlich wahrnehmbare, rotfleckige Hautstellen und zahlreiche bunte Äderchen auf.

Sie musste meinen optischen Exkurs bemerkt haben und reagierte etwas verlegen.

Da dachte ich mir: Trennung muss ja nicht in jedem Fall etwas Schlechtes sein.

von schweizerkas - veröffentlicht in: Liebe
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Thursday, 5. june 2008 4 05 /06 /Juni /2008 08:55
Ein kranker Backenzahn behindert die Liebe und kann verdammt weh tun, wenn an ihm noch ein Mensch hängt.



Ich aber kann mit Recht behaupten, dass ich keinesfalls an meinem kranken Backenzahn hänge
...
von schweizerkas - veröffentlicht in: Laut und Luise
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Wednesday, 4. june 2008 3 04 /06 /Juni /2008 06:34
"Was seid ihr Männer doch für Jammerlappen! Kaum werdet ihr einer hübschen, gut gebauten Braut ansichtig, verliert ihr auch schon die Kontrolle über eure Schwellkörper!  Stromausfall im Hirn!"

Sie gab ihre Zurückhaltung nun völlig auf und fuhr fort: "Hauptsache für euch Männer sind mächtige Möpse, schlanke Hüften und lange Beine! Ein hübsches Gesicht zählt bei euch nicht,", setzte sie mir auseinander.

Da dachte ich mir: "Du bist weder gut gebaut, noch im Besitz von schlanken Hüften. Und von langen Beinen kann keine Rede sein. Und auch mit deinem Gesicht gewinnst du nicht einmal einen Blumentopf!"
 
von schweizerkas - veröffentlicht in: Liebe
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Tuesday, 3. june 2008 2 03 /06 /Juni /2008 13:13
Er hätte es gerne ungeschehen gemacht und wollte sie zurückgewinnen. Durch seine eingestandene Untreue ist für sie eine Welt zusammengebrochen.

Sie wollten sich am Samstagabend bei ihr zu Hause aussprechen. Als er die ebenerdig gelegene Wohnung betrat, deren Türe zu seiner Verwunderung unversperrt war, stand er im Wohnzimmer unvermutet einem ihm unbekannten Mann gegenüber, der ihn herausfordernd musterte.

Der Unbekannte war deutlich jünger als er selbst,  wesentlich größer und wirkte außerdem sehr sportlich. Er trug ein blaues Sakko mit etwas altmodisch ausgeschlagenem, weißem Hemdkragen.

B. sah den Eintretenden spöttisch an und fragte in seltsam künstlichem, etwas geschraubtem Ton:
"Darf ich dir James vorstellen?"

"Oh, Engländer, Amerikaner? Dein Neuer?"

Er begriff, wandte sich wieder zur Tür und dachte:
"Na, dann halt eben nicht!"

Er ging.
von schweizerkas - veröffentlicht in: Liebe
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