„Könnand iar ned läsa?"
wüatig, rot vor Zara, so schreit dr Ma
i dr Nöchne vo dr Golmerbah.
("Könnt ihr nicht lesen?"
wütend, rot vor Zorn, so schreit der Mann
in der Nähe der Golmerbahn.)
„Ondr minam Dach hond iar nix vrlora!"
Dröhnts da Wanderer i da Ohra.
("Unter meinem Dach habt ihr nichts verloren!"
Dröhnt es den Wanderern in den Ohren.)
Sen Zara nimmt jetz no meh zua,
Vrschrocka gon dLüt i da Räga usse.
Vom Schimpfa hon se meh als gnua!
(Sein Zorn nimmt jetzt noch mehr zu,
erschrocken gehen die Leute in den Regen hinaus.
Vom Schimpfen haben sie mehr als genug.)
Ken hot me blieba wella ondr dem Dächle,
Liabr da Räga im Kraga und dSchua im Bächle
Liabr duss im Räga nass wera
als ondr dem Dächle trocka blieba.
(Keiner wollte mehr bleiben unter dem Dächlein,
Lieber den Regen im Kragen und die Schuhe im Bächlein
Lieber draußen im Regen nass werden
als unter dem Dächlein trocken bleiben.)
Jetz erscht sahan se dia Tafla vor dr Hütta am Golm:
„Betreten verboten"
(Jetzt erst sehen sie die Tafel vor der Hütte am Golm:)
Sie sahan glei iar Urecht i.
„Wo käma mr do hi,
wenn jedr Turischt bim klenschta Uwettr
ondr minam Dach tät blieba?"
höran dLüt s Mändle wietr kieba.
(Sie sehen sofort ihr Unrecht ein.
"Wo kämen wir hin,
wenn jeder Tourist beim kleinsten Unwetter
unter meinem Dach bleiben würde?"
hören die Leute das Männchen weiter schimpfen.)
Blitz und Donner und an Wolkabruch
Hot se ondr des vrbotne Dächle triba.
Do isch as trocka gsi.
(Blitz und Donner und ein Wolkenbruch
hat sie unter das verbotene Dächlein getrieben.
Hier war es trocken.)
A andrs Mol sen dia glicha Lüt
In am andra Tal bim Wandara.
Döt gohts ruhiger zua.
Döt sen net so viel Lift und Bahna.
(Ein anderes Mal sind dieselben Leute
in einem anderen Tal beim Wandern.
Dort geht es ruhiger zu.
Dort sind nicht so viele Lifte und Bahnen.)
Dr Kli, der hot a Blotara am Zeha ghet
Und des Maisäß hot ondr am Dächle
a schös Bänkle vorhuss.
Umighockt, da Schuah uszoga, sPflaschtr grecht.
(Der Kleine hatte eine Blase am Zehen
Und das Anwesen hatte unter einem Dächlein
eine schöne Bank davor.
Hingesessen, die Schuhe ausgezogen und das Pflaster vorbereitet.)
Do goht d'Tür off und ussa kunnt an alta Ma.
Dia Lüt sen ghörig vrschrocka.
„Hosch du a Tafla gsaha?" frogan si anand.
(Plötzlich öffnet sich die Türe und heraus tritt ein alter Mann.
Die Leute sind ordentlich erschrocken.
"Hast du eine Verbotstafel gesehen?" fragen sie sich besorgt.)
Dr Alte mit dr Pfifa lacht und goht wedr ine.
„Um Gotts Willa, jetzt holt er sGwehr!"
(Der Alte mit der Pfeife lacht und geht wieder ins Haus.
"Um Gottes Willen, jetzt holt er das Gewehr!")
Abr do schtoht er scho wedr vor da Lüt
Und hot schtatt ama Gwehr
A Schnapsguttara ondrm Arm
Und i dr Hand viar Gläsle.
(Aber da steht er schon wieder vor den Leuten
und hat statt eines Gewehres
eine Schnapsflasche unter dem Arm
und in der Hand vier Gläser.)
Ma hot glacht und gfrogat und gredat und vrzellt und agschtoßa.
Miar sen denn noch a paar Schnäpsle lang bliba.
Und hon ganz vergässa, dem Kli s'Pflaschtr uffekläba.
(Man hat gelacht und gefragt und gesprochen und erzählt und angestoßen.
Wir sind dann noch ein paar Schnapslängen geblieben.
Und haben ganz vergessen, dem Kleinen das Heftpflaster aufzukleben.)
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Eine wahre Begebenheit aus dem Tourismusgebiet "Hochmontafon" in Vorarlberg.
So erlebt und in Mundartreime gefasst vom Autor, selbst Vorarlberger, im Sommer 2008.
Das "andere", freundliche Tal ist das "Große Walsertal", Biosphärenpark, ebenfalls Vorarlberg.